Within The Tarn’s Eyrie I

Veni, vidi, Vulo: Sightseeing mit den beiden Erfindern des "Becher-Bechers".

Veni, vidi, Vulo: Sightseeing mit den beiden Erfindern des „Becher-Bechers“.

Keh’ra Var, 9. Monat (I/4). Am heutigen Morgen kam ich in den Genuss einer fachkundigen Führung durch den Außenposten an der Seite keines Geringeren denn Sir Calos, des Hohen Baumeisters, dessen Werk die meisten der Gebäude, Verteidigungsanlagen und Infrastrukturkonstrukte von Keh’ra Var sind. Der Hohe Rat von Callera hatte ihn seinerzeit mit dem Ausbau des von Sir Waltharius verwalteten, bis dahin eher ein verschlafenes Dasein fristenden Gebirgsgutes beauftragt, und die neuesten Entwicklungen führen mich zu dem Schluss, dass Sir Calos diesen Auftrag vielleicht sogar weit besser erfüllt hat, als dem Auftraggeber recht sein dürfte. Obgleich sich im Haus nach der langen Reise ein Sardargebirge von Wäsche türmte, und auch sonst allerhand Verrichtungen, die ein neuer Hausstand mit sich bringt, der Erledigung harrten, gestatte ich Vulo, mich auf dem Rundgang zu begleiten. Zum einen genieße ich selbst ihre Gesellschaft, sorgt sie doch mit ihrer unorthodoxen Art nicht nur für Erheiterung, sondern – öfters als so manchem Blaukastigen lieb sein dürfte – auch für Erkenntnisse und Einsichten, die uns, die wir allzu sehr in unseren Konventionen und überkommenen Denkschemata verhaftet sind, andernfalls verborgen blieben. Nebst dem wusste ich, dass ich Sir Calos damit eine Freude bereiten würde, der Vulo aufrichtig anerkennend „seine Inspirationsquelle“ nennt, seit sie ihn anlässlich eines Besuches in Turmus auf die Idee des „Becher-Bechers“ brachte. Und eben genau solches meine ich, wenn ich von Vulos unorthodoxer Art schreibe: Das praktisch veranlagte Mädchen hatte einen Becher mit heißem Tee in einen weitern, leeren Becher gestapelt, was zum einen den Tee im inneren Trinkgefäß länger heiß hielt, zugleich jedoch verhinderte, dass man sich die Finger verbrannte. Sir Calos hat diese ebenso simple wie geniale Idee weiterentwickelt und inzwischen auf andere Gefäße übertragen, so dass nun in Keh’ra Var beispielsweise doppelwandige Kannen aus zweierlei Materialien gefertigt werden. Sir Calos ließ es sich nicht nehmen, mir das Herstellungsprocedere im Detail zu erläutern, als wir zum Abschluss unseres Rundgangs in die Keramikmanufactur gelangten – ein, wie mir schien, bewusst gesetzter Höhepunkt.

Advertisements