„Nadath nâ i moe cerich.“*

Oase der silbernen Steine

Oase der silbernen Steine

Oase der silbernen Steine, 3. Tag der 8. Passagehand. Ein Sturm hatte uns ein wenig von der geplanten Reiseroute abgebracht und zu einem zusätzlichen Stopp gezwungen. Eine kleine Oase am varwärtigen Rande der Tahari schien Sir Roshad ein sicherer Ort für die unvorhergesehene Rast. Wie wir von Lady Shadow, die sich uns als örtliche Heilerin vorstellte und uns einen freundlichen und – zumal angesichts der Gefährlichkeit der Gegend – offenen Empfang bereitete, erfuhren, wurde dieser Ort von den Taharibewohnern „Oase der silbernen Steine“ genannt. Woher der Name rührt, war nicht schwer zu erraten, als wir die mysteriösen ehernen Gebilde erblickten, die unter den letzten Strahlen des Tages wie von Zauberhand silbern erglommen und die Szenerie in ein surreales, doch keineswegs unheilvolles Licht tauchten. Außer uns war noch ein Krieger des Emirs aus der Oase der vier Palmen zu Gast, Sir Ashurek mit Namen. Lady Shadow erwies sich vom ersten Moment an als formvollendete Gastgeberin. Der Grund, aus dem sie diese Rolle einnahm, ward uns im Laufe des Gesprächs beim Abendmahl, zu dem sie uns einlud, offenbart und ließ uns die Münder einige Ihn vor Erstaunen offenstehen. Umso schwerer war mir anschließend ums Herz, weil ich aus Sicherheitserwägungen unter falschem Namen reise, und darob auch Lady Shadow gegenüber nicht aufrichtig sein konnte. Doch die Gefahr war zu groß, schwärmen die Häscher des Lurius con Jad doch wie die Voskitos über die Lande. Und so wischte ich meine Schuldgefühle beiseite und beschloss, mich Lady Shadow bei nächster – und weniger riskanter – Gelegenheit zu offenbaren und um Verzeihung für die Camouflage zu ersuchen. Echion flocht mit verbalem Geschick und einer bewussten Beiläufigkeit, die selbst mir als Händlerstochter Respekt abverlangte, die Möglichkeit des Blackwinehandels zwischen der Oase und Keh’ra Var in die Unterhaltung ein und erweckte damit sogleich Lady Shadows Interesse. Es mag daher gut sein, dass die Götter meine Wege schon in Bälde wieder hierher lenken. Zunächst jedoch tragen uns die mächtigen Schwingen der Tarns unserer Himmelskarawane weiter gen Var. Und so die Götter und die Herrn der Winde uns gewogen sind, werden die Schreie der Vögel in drei Tagen bereits von den Schluchten des Thentis widerhallen und unsere Ankunft in Keh’ra Var ankündigen.

Tarnflug über Kargash

Tarnflug über Kargash

Kargash, 1. Tag der 8. Passagehand. Die unbeschwerten Tage, die ich nach Erledigung der bedeutsamen Pflichten, welche mich hierher führten, an Echions Seite auf Jesuil verbringen durfte, waren allzu süße Nahrung für den Sleen der Trägheit, der in wohl jedem von uns Sterblichen haust. Und so bedurfte diesmal selbst ich, der Disziplin und Kasteiung von Kindesbeinen an in geradezu militärischer Manier eingebläut worden waren, eines Schubsers. Es war Echion, der mich in der ihm eigenen, stets sanftmütigen (deshalb jedoch nicht minder bestimmten) Weise daran gemahnte, dass zwar vieles getan aber noch um einiges mehr zu tun war. Scham erfüllte mich, denn gerade in den Augen dieses einen Mannes wollte ich keinesfalls und zu keiner Zeit liederlich oder pflichtvergessen erscheinen. Keine Viertelahn später ließ ich unsere Habe packen und auf ein Schiff verbringen, das noch am selben Abend gen Kargash in See stach und uns binnen zweier Tage ans Festland brachte. Eya! Nun ist mein nordisches Blut wieder in Wallung vor Tatendrang!
Nur einen kurzen Besuch bei Kastenschwester Talia und ihrer Tochter Aglaia gönnte ich mir, um zu sehen, dass es beiden wohl ergeht. Dann suchte ich den Spross der Gim auf, welcher nach unserem letzten Treffen meinem Geheiß folgend unter falschem Namen eine Anstellung hier in Kargash angenommen hatte. Vor allen Dingen wollte ich mich vergewissern, dass er die gebotene Vorsicht walten ließ, nebst dieser Kontrolle jedoch auch erkunden, ob er Neuigkeiten für mich hatte. Da er mir umsichtig genug schien, gab ich einen der Schätze, die ich bei mir führe, in seine Obhut, damit er diesen hier an sicherem Ort für mich verberge.
Von Kargash aus setzen wir unsere Reise gen Var auf (bzw. in einem Korb unter) den Schwingen eines Tarns fort. Dabei hatte ich mit einem Problem zu kämpfen, das ich bei all dem weltbewegenden Wirrwarr nicht auf der Schiefertafel hatte: Vulos Tarnophobie. Wo mit Eloquenz nichts auszurichten war, half eine Errungenschaft der grünen (jedenfalls will ich glauben, das Pulver sei noch hier einzuordnen!) Kaste, so dass Echion die kleine Ushindi friedlich schlummernd neben mir in den Korb betten konnte. Ich selbst beugte mit reichlich Zingiber der Sorge vor, mir das frühe Morgenmahl… nochmals durch den Kopf gehen lassen zu müssen. Noch ehe das Zentralgestirn sich vollends über den Horizont erhoben hat, trägt uns Echions Tarn Ragan der nördlichen Hemisphere zu, wo zunächst Keh’ra Var unser Ziel sein wird. Bewaffnetes Geleit erhalten wir auf unserer Reise von einer Lanze der Tarnstaffel von Keh’ra Var unter dem Kommando keines geringeren als des Hauptmanns Sir Roshad.

Mirror, mirror on the wall, ...

Mirror, mirror on the wall, …

Jesuil, 8. Monat (V/1). Obgleich jeder Tag auf Jesuil eine wahre Wonne für Körper und Seele bedeutet – zumal nun, da mir der Blick in die Zukunft um vieles heller erscheint -, fand ich an diesem Morgen mit besonderer Beschwingtheit den Weg aus den Laken. Sultan Abima con Lyros und seine ebenso anmutige wie an Herzenswärme reiche Gefährtin Lady Minou waren einer Einladung des Basileus gefolgt und machten auf ihrem Weg in die Tahari, wo sie am Treffen der Oasen teilnehmen werden, Station auf Jesuil. Zwar würde es unvermeidbar einige ernste Themen zu besprechen geben; doch überwog bei mir die Freude auf das Wiedersehen mit dem Sultanspaar bei Weitem.
...because of the serum, I don't need your judgement after all ;-)

…because of the serum, I don’t need your judgement after all 😉

Mit großer Erleichterung konnte ich vernehmen, dass Sultan Abima unverändert seine Unterstützung im Kampf um die Abwerfung der cosischen Usurpation in Turmus zusicherte. Als der Sultan in diesem Zusammenhang sein Bedauern darüber zum Ausdruck brachte, dass der Handel zwischen Lyros und Turmus seit der cosischen Besatzung zum Erliegen gekommen ist, versicherte ich ihm, dass es sich lediglich um eine vorübergehende Aussetzung des Vollzugs des lyrisch-turmischen Salzhandelsabkommes für die Zeit des cosischen Intermezzo in Turmus handeln wird. Zugleich schlug ich im Benehmen mit dem Basileus vor, dass der mit Jesuil in bester Beziehung stehende Außenposten Keh’ra Var vorübergehend an Turmus‘ Statt in das Abkommen eintreten könnte – vorbehaltlich der Entscheidung des dortigen Administrators Dambal. Der Sultan zeigte sich darob zufrieden, äußerte jedoch den Wunsch, den Administrator von Keh’ra Var zuvor persönlich kennenzulernen. Mit Mühe musste ich mir ein erfolgsgewisses Schmunzeln verkneifen, war ich mir doch angesichts meiner geradezu familiären Beziehungen zum Hause Sir Dambals sicher, dass weder das Treffen noch die Modifikation des Salzhandelsabkommens ein Problem darstellen werden. Zudem konnte ich mir nicht vorstellen, dass es zwischen zwei Männern von der Noblesse und Geschäftstüchtigkeit wie sie den beiden Herrschern zu Eigen sind, nach einem Becher des erlesenen Keh’ra-Var’schen Thentis-Hochland-Blackwine noch irgendwelche unüberbrückbaren Differenzen geben könnte.

*“There is much you have yet to do.“ (Sindarin; J.R.R. Tolkien, The Fellowship of the Ring, Galadriel’s Farewell)

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