Dawn Of A New Year

Turmus im En’kara (I/4) des zweiten Mondenlaufs der Regentschaft des Administrators Cato

Elsket Far!

Es sei Eurer Tochter Mithrandriel erlaubt, diese Worte an Euch zu richten, verehrter Vater.

Aus tiefstem Herzen sende ich Euch wie auch Mutter und meinem Bruder Njörd die besten Wünsche für den neuen Mondenlauf. Möge das Feuer im Herd Eures Hauses niemals erlöschen und der Brunnen im Hofe niemals versiegen!

Gerade an diesen Tagen gilt all mein Sinnen, all mein Fühlen Euch und den Heimsteinen Eures Hauses und Kassaus – ungeachtet hunderter Pasang, die mich ebenso von meiner Heimat trennen wie der unermesslich schwerer wiegende Bann, welchen Ihr, geliebter Vater, über mich verhängt habt. Wenn es mir von daher verwehrt ist, Lar-Torvis am Morgen des ersten En’kara an den Ufern des Thassa vor Kassau begrüßen zu dürfen, so hätte ich zumindest der Zeremonie in Turmus allzu gerne beigewohnt, von deren weihe- und würdevoller Stimmung aller Munde lange bereits kündeten. Besondere Bedeutung erlangte dieses En’kara-Fest durch den Umstand, dass Sir Cato, der Administrator von Turmus die Zeremonie zelebrieren würde: er konnte, den Göttern sei Dank, zu Beginn der Wartehand von den wackeren Rarii des Heimsteins endlich aus den Fängen seiner ehrlosen Entführer befreit werden. Wenngleich die Operation einen hohen Blutzoll gefordert hatte und auch der Administrator von den körperlichen und seelischen Peinigungen seiner Gefangenschaft sichtlich gezeichnet ist, so zählt doch einzig, dass er lebend und ohne Ehrverlust zurück bei seiner Familie und seinen Untertanen ist.

Doch ein dringlicher Auftrag, den ich von Lady Amira, der Prätorin von Turmus, und meiner Lehrmeisterin, Lady Isabell, erhielt, erforderten einen Aufbruch noch vor Beginn des En’kara. Ich wollte es kaum wahrhaben: tatsächlich stand mir nunmehr die erste diplomatische Mission bevor, die ich allein und ohne das Tutorium meiner erfahrenen Lehrmeisterin zu bewältigen hatte! Es gilt, ein Salzhandelsabkommen mit dem Inselsultanat Lyros anzubahnen, mittels dessen sich Turmus vom Überlandhandel mit Kasra und den Oasen der Tahari zu emanzipieren gedenkt. Als unvorhergesehene Komplikation entpuppte sich die Erkenntnis, dass eine Reise während der Wartehand anzutreten in den mittleren Breiten Gors offenbar als wenig Glück verheißend angesehen wird. Allen voran Septima, das hysterische Krämerweib, aus deren Kontor ich mein Met beziehe, machte mich schier wahnsinnig mit ihren düsteren Prophezeiungen. Bis dato wähnte ich uns Nordvolk einen abergläubischen Schlag… Thorgard und Luithilt! Jedenfalls besorgte ich mir letztlich von einer nahe gelegenen Lichtung vier Flaminiumblüten, welche ich trocknete und mit zwei Gimfedern und einem jungen Ka-la-na-Trieb in einer silbernen Schale verbrannte. Die Asche vermengte ich sodann mit sieben Tropfen meins Blutes und zeichnete das Symbol des Hammers Thors auf meines Herzens Brust. Das hilft immer, sagt Mutter.

Und, bei Freyas Lockenpracht, gut tat ich daran. Brachte mich doch eine von günstigen Winden getragene Schiffspassage in nur einer Hand wohlbehalten nach Lyros, und obendrein durfte ich in der Bucht von Schendi erleben, wie Lar-Torvis sich am Morgen des ersten En’kara in einem majestätischen Schauspiel über das dampfende grüne Dach des Dschungels erhob, begleitet vom Gesang hunderter bunter Vögel, die über der Stadt kreisten.

Beim Gespräch mit dem Sultanspaar war mir ein mehr als glückliches Händchen vergönnt, konnte ich doch Sir Abima, der für seinen Reichtum nicht minder bekannt ist als für seinen scharfen Verstand und unbestechlichen Geschäftssinn, noch am ersten Abend die Zusage abringen, Turmus alsbald mit einem – wenn auch zunächst noch inoffiziellen – Besuch zu beehren. Zufrieden und, Ihr mögt Eurer Tochter diese Eitelkeit nachsehen, auch ein wenig stolz nahm ich nur zu gerne das Angebot der Sultana, Lady Minou, an, die Nacht im nobelsten Gästezimmer der Kasbah zu verbringen und bis zu meiner Abreise die weithin gerühmte und mir aus meiner Zeit auf Lyros wohlbekannte Gastfreundschaft des Sultanspaares zu genießen.

Was hätte ich darum gegeben, Isabell während der Verhandlungen mit dem Sultan und in dieser Nacht an meiner Seite gehabt zu haben. Nicht, weil ich ihres Beistandes bedurft hätte. Nay, vielmehr wäre köstlicher noch als der exquisite Dattelwein des Sultans, mit dessen Genuss wir die Verhandlungen beschlossen hatten, das anerkennende Nicken meiner Lehrmeisterin gewesen. <an dieser Stelle sind einige Worte energisch ausgestrichen und unkenntlich gemacht worden>

Um die zehnte Ahn des darauffolgenden Tages stach mein Schiff, die „Stolz von Teletus“ gen Var in See und brachte mich mit pfeilschnellem Kiel zurück nach Turmus.

Mit der Götter Gunst kann ich bereits morgen meiner Lehrmeisterin sowie der Prätorin oder gar dem Administrator höchstselbst Bericht über den Erfolg meiner Mission erstatten.

Möge Odin Euch und Eurem Haus allzeit Leben und Reichtum schenken, und mir, Eurer Tochter, das Wohlwollen ihres verehrten Vaters.

I Kjærlighet
Mithrandriel

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5 Kommentare zu “Dawn Of A New Year

  1. Liebe Mit-Turmusianer,
    vielen, vielen Dank für Eure mehr als positiven und ermutigenden Worte, die mir viel bedeuten, zumal gerade auch Eure lebendig verfassten Blogs mich zum Schreiben „angestiftet“ haben.
    Deine Idee mit den IC-Randnotizen auf den Briefen finde ich ausgesprochen reizvoll und spannend, Nea, und werde zusehen, dass ich Dich in/mit einem der nächsten Briefe dazu animieren kann 😉
    Und klaro, Isabell, wirst Du erfahren, was Mith in dem Brief „zensiert“ hat. Ebenso wie all die anderen Dinge, die sie sich erst gar nicht niederschreiben traute…
    Ich freue mich auf unzählige weitere inspirierende „Briefvorlagen“ (RPs) mit Euch und den vielen anderen talentierten, fantasievollen und engagierten Gor-RPlern, die ich getroffen habe und noch treffen werde.

  2. Warum sie ihr Licht immer unter einen Scheffel frage ich mich auch allerdings. Ich werd sie mal ein wenig schubsen meine Mith.
    Das mit den Briefen finde ich die bisher beste Idee in den Blogs.
    Ich hoffe ich erfahre IC was da in dem Brief geschwärzt war 🙂

  3. Bei der Fülle an RP-Blogs, liebe Mithandriel, ist dieser hier ein ganz besonders gut durchdachtes und gelungenes Zuckerle.
    Mithandriels eigentümlich liebevolle und skurrile Art ist jedenfalls auch in diesem Blog phantastisch abgebildet. Eigentlich ist es fast schade hier OOC zu kommentieren und nicht mit der Randnotiz einer neugierigenLeserin von Mithandriels Briefen irgendwann in der Zukunft.

  4. Mith, wenn ich das so lese, dann frage ich mich warum Du Dein Licht immer unter einen sehr großen Scheffel stellst. Deine Briefe sind jedenfalls wunderbar zu lesen, unterhaltsam und sehr kurzweilig. Ich freue mich bereits IC auf den Reisebericht der Lady Mithrandiel.

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